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  1. Schmid 98420 85 x 54 cm, 2014

    Schmid 98420 85 x 54 cm, 2014

    King 1937 68 x 48,5 cm, 2016

    King 1937 68 x 48,5 cm, 2016

    Ravensburger 62554037 69,7 x 49,7 cm, 2015

    Ravensburger 62554037 69,7 x 49,7 cm, 2015

    Schmidt 57205 65,2 x 47,6 cm, 2014

    Schmidt 57205 65,2 x 47,6 cm, 2014

    King 1939 68 x 48,5 cm, 2014

    King 1939 68 x 48,5 cm, 2014

    Schmid 98420 85 x 54 cm, 2014

    Schmid 98420 85 x 54 cm, 2014

    King 1937 68 x 48,5 cm, 2016

    King 1937 68 x 48,5 cm, 2016

    Ravensburger 62554037 69,7 x 49,7 cm, 2015

    Ravensburger 62554037 69,7 x 49,7 cm, 2015

    Schmidt 57205 65,2 x 47,6 cm, 2014

    Schmidt 57205 65,2 x 47,6 cm, 2014

    King 1939 68 x 48,5 cm, 2014

    King 1939 68 x 48,5 cm, 2014

    • 1

      Schmid 98420 85 x 54 cm, 2014

    • 2

      King 1937 68 x 48,5 cm, 2016

    • 3

      Ravensburger 62554037 69,7 x 49,7 cm, 2015

    • 4

      Schmidt 57205 65,2 x 47,6 cm, 2014

    • 5

      King 1939 68 x 48,5 cm, 2014

    Nadine Wietlisbach

    Schloss des Vergessens

     

    Tatiana Lecomtes Arbeit wird von der Idee bestimmt, Unzuverlässigkeiten sichtbar zu machen. Zum einen ist es unsere Erinnerung, ihr subjektiver und bruchstückhafter Charakter, den die Künstlerin auf formal unterschiedliche Art und Weise belebt. Zum anderen wird die den fotografischen Bildern immer schon anhaftende Vorstellung, dass sie eine unumstössliche Realität abbilden und damit die Funktion von Beweisen verkörpern können, als fehlerhaft entlarvt. Die Erwartungen, die an das Medium Fotografie weiterhin bestehen, werden von Tatiana Lecomte unterwandert und assoziativ ausgelotet – eine Strategie, die sich durch viele ihrer Werke konsequent hindurchzieht.

    In der Serie Hauptdepot wird die Auslassung zum zentralen Erzählmoment. Saftig grüne Wälder, Wiesen, blauer Himmel und die an immer gleicher Stelle herausgelösten Puzzlestücke bilden das Motiv der fünf Puzzles unterschiedlicher Hersteller. Den fünf immer ähnlich pittoresken Landschaften wurde etwas entnommen; die Leerstelle bildet zusammen mit den fragmentarischen Puzzleteilen einen Verdoppelungsmoment, der spätestens auf den zweiten Blick ein Unwohlsein hervorruft. Das Element, das aus dem Bild herausgelöst wurde, wird trotz seiner Abwesenheit von vielen erkannt: es handelt sich um das Schloss Neuschwanstein. Das im Stil des romantischen Eklektizismus des 19. Jahrhunderts für den bayerischen König Ludwig II. erbaute „Märchenschloss“ wird jährlich von 1,5 Millionen Menschen besucht und gilt als eine der wichtigsten Tourismusdestinationen Deutschlands. Auf der Website der Reisedestination steht: „Die idyllische Lage von Neuschwanstein ist einmalig. Allerdings müssen Bewegungen im Fundamentbereich ständig überwacht und die steilen Felswände immer wieder gesichert werden. Ebenso greift das raue Klima die Kalkstein-Fassaden stark an, was immer wieder Sanierungsmaßnahmen erfordert.“

    So instabil das Fundament des Schlosses, so fragil erweist sich bei näherer Betrachtung auch sein Bild: Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Schloss für die Lagerung von Raubkunst genutzt, rund 39 Fotoalben belegten nach Kriegsende den Umfang des Raubes. Interessanterweise fehlen Informationen zu diesem hochbrisanten Kapitel in der offiziellen Kommunikation der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, die mit der Verwaltung des Schlosses betraut ist, gänzlich. Stattdessen wird in der Tourismusbroschüre den Begegnungen des Königs mit dem Komponisten Richard Wagner, den szenischen Raumbildern oder der für die damalige Zeit modernsten Technik viel Platz eingeräumt. Es ist nichts davon zu lesen, dass nach Ende des Krieges neben rund 1’300 Gemälden auch einige wichtige Teile des Abendmahlsaltar des niederländischen Malers Dirk Bouts dort gefunden wurden. Die touristische Bildikone, das Schloss als Motiv, tausendfach reproduziert auf Postkarten, Bierdeckeln, Teetassen und Puzzles, wird über den Moment des Auslassens zu einem enigmatischen Fleck mit klandestiner Vergangenheit.

    Die Gedächtnisforscherin Aleida Assmann schreibt: „Speichern können Datenträger und Maschinen sehr viel besser, Erinnern können nur Menschen.“ Es ist dieses spannungsgeladene Zusammenspiel von Bildträger und Erinnerung, das Lecomte durch Auslassung und Montage erfahrbar macht, wobei sie ein „drittes Bild“ entwirft, „das in der Imagination der Betrachter_in“ entsteht. Sie kreist dabei um das Erinnern als kulturelle Praktik, reflektiert dessen Einschreibung in Orte, Plätze und Bauten und schafft alternative Bildwelten.

     

    Literatur:

    https://www.tagesspiegel.de/kultur/usa-fotoalben-mit-hitlers-beutekunst-aufgetaucht/1085832.html, 05.03.2019

    https://www.schloesser.bayern.de/deutsch/service/infomat/screen-pdf/neuschwan_dt.pdf, 27.02.2019

    https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Der-Schatz-im-Schloss-Neuschwanstein-id28724377.html, 27.02.2019

    Aleida Assmann: Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses. München 1999

    Constantin Goschler, Philipp Ther (Hrsg.): Raubkunst und Restitution. „Arisierung“ und Rückerstattung des jüdischen Eigentums in Europa, Frankfurt am Main 2003